Dienstag, September 05, 2017

Wahlkampf

An einem Sonntagabend, den sich Millionen im Voraus frei halten, erfährt man live, was unsere Kanzlerkandidaten zu sagen haben. Aha. Es war schon immer aussagekräftig, was Politiker reden. Besonders vor Wahlen. Erfahrungsgemäß hat das mit der Wirklichkeit so wenig zu tun, dass mir dazu kein Vergleich einfällt.

„Herr Doktor, mir bleibt immer öfter die Puste weg!“
„Tja, Sie sind jetzt bald 70. Das ist normal.“
„Aber mein Freund ist schon 74 und erzählt, er joggt noch täglich 10km.“
„Dann erzählen Sie das doch einfach auch!“
So läuft Wahlkampf.
Die einzigen Stellen im Kanzlerduell, die etwas mit der Realität zu tun hatten waren:
Merkel: „Nach der Wahl ist es anders als im Wahlkampf, wo jeder den anderen mit noch etwas mehr Härte übertrumpfen will.“
Schulz: „Vor der letzten Wahl wussten wir genau, dass die Maut nicht kommt.“
Klar: beide sehen den Fehler nur beim anderen. Und auf eigentümliche Weise faszinierend: die scheinen wirklich nicht zu begreifen, dass ihre Wirklichkeitsfremdheit die Menschen nur noch nervt. So bleibt mir als einziges Resümee des Abends: es ist eine unglaubliche Werbeleistung der Sendeanstalten, dass sie es schaffen, Millionen vor den Bildschirm zu holen, um Politiker reden zu hören. Genauso erstaunlich, dass die Kandidaten mitmachen, denn wer, bitte, wählt freiwillig jemanden, der ihm einen Sonntagabend sinnlos wegquatscht?

Was also könnte denn Grundlage für eine Wahlentscheidung sein? Im Wahlkampf interessiert mich nur, wer am realistischsten auftritt. Ich wähle NICHT den, der mir am überzeugendsten erklärt, dass es das Beste für ALLE ist, wenn ICH am meisten Geld bekomme.

Was also tue ich?
Solange es um Ökologie geht, mag ich die Grünen. Da ich die Umweltproblematik nicht für ein Phantasiegebilde von Verschwörungstheoretikern halte, sondern für ein existenzielles Problem der gesamten Menschheit, gehört sie angemahnt, ständig und nachdrücklich. Die Grünen deshalb bitte in die Opposition. Dort können sie poltern und sind sehr erfolgreich: wie kein anderer geben sie Themen vor. Sehr oft sehr gut. Wenn sie allerdings ihr Menschenbild auspacken, fasse ich sie nicht mit der Zange an.
Fazit: nötig.

Wenn es um klare Worte geht, mag ich die FDP. Auch Blödsinn kann klar formuliert werden und hebt sich dann wohltuend vom Rest der Reden ab. Ab und zu ist auch Sinnvolles dabei. Das Menschenbild kann mir auch hier gestohlen bleiben. Allerdings sind sie die einzigen, die erkennen, dass überflüssige Bürokratie Freiheitsberaubung ist, und begreifen, dass auch sie selbst nicht überall gebraucht werden. Eine wohltuende Abgrenzung zu den Grünen, die meinen, man könne ohne sie und ihre Erkenntnisse kein Frühstücksei kochen.
Fazit: nötig, aber mit Bauchweh.

Wenn es um Konservativismus geht, liebe ich die Linken. Niemand pflegt das Alte wie sie! Fast schon reaktionär halten sie an alten Ideen, Strukturen und Feindbildern fest. Die pressen noch jedes Problem in die alten Formeln. Die Resultate sind so abstrus, dass man selbst nie darauf käme und schon fast ein Aha-Erlebnis hat. Sie haben oft gute Redner. Wenn man sich um Inhalt keine Sorgen machen muss, lässt sich der Rest leicht geschliffen formulieren.
Fazit: hoffentlich bald Geschichte.

Wenn es darum geht, Stimmungen aufzudecken, ist die AfD hilfreich. Sie hat zwei Seiten: Problembewusstsein und Umsetzung. Das Problembewusstsein ist in einigem (bei weitem nicht in allem!) dringend nötig. Sie mischt den Laden gewaltig auf, denn was sonst niemand ausspricht, fasst sie in Worte. Leider in oft sehr üble Worte. Sie kämpft gegen die allgegenwärtige politische Korrektheit (sehr nötig!), doch sie bietet als Alternative zur Pest die Cholera: muffiges Spießertum mit Hang zur intern bejubelten Menschenverachtung. Die anderen Parteien leben recht gut mit ihr, denn sie können sich gegenseitig die Schuld daran zuzuschieben. Was wiederum die AfD am Leben hält. Wahlkampf lebt nun einmal von Übeln, an denen die anderen schuld sind.
Fazit: eine Peinlichkeit für unser System, doch logische Folge des Handelns aller anderen Parteien.

Wenn es um Träume geht, mag ich die SPD. Solange es im Abstrakten bleibt, ist die vorgegebene Richtung oft sehr gut. Sie hat immer wieder Köpfe, die in der Lage sind, Teile der Träume umzusetzen (Ostentspannung) und Notwendigkeiten zu erkennen und anzugehen (Mindestlohn). Ihre politischen Analysen decken mühelos das gesamte Feld zwischen genial und abstrus ab. So zwingt sie den Wähler zum Mitdenken (wäre das Taktik, wäre es richtig gut!). Ihre Überzeugung, nicht erreichbare Zustände einfach vorschreiben zu können, macht sie gefühlt zum Herrn über die Logik und faktisch nur begrenzt regierungsfähig.
Fazit: ohne Sie läuft nichts.

Die CSU ist wie Cidre. Sie hat den Konservativismus als Chance erkannt: lässt man denselben Saft lange genug stehen, gärt er und wird plötzlich spritzig. So wirkt die Partei, die am altbackensten ist, häufig am lustigsten. Das tut sie gekonnt und hat damit etlichen Erfolg. Sie hat einen deutlichen Hang zu Stammtischen: das ist nun einmal der Ort, an dem Dinge wie Apfelwein konsumiert werden, da gehört sie hin. Dass sie häufiger einen Kater hat, zurückrudert und sich für das gestern Abend gesagte schämt, bleibt nicht aus.
Fazit: eine Bereicherung.

Der CDU hat man nachgesagt, sie sei die erste Wahl, wenn einem alles gleich sei. Ein Computerprogramm sei zu diesem Schluss gekommen. Und alle fanden das treffend - Fake-News mit hohem Wirklichkeitsgehalt. Die CDU polarisiert, allerdings nur innerhalb des eigenen Klientels. Während die einen meinen, sie sei endlich modern, stecken die anderen sie nostalgisch ins frühere Outfit. Sie ist die einzige Partei, die es geschafft hat, viele der eigenen Wähler zu überzeugen, sie sei an der AfD schuld, und trotzdem gewählt zu werden. Das Menschenbild kann ich nicht einmal mit der Zange anfassen, weil ich keines finde. Ihre Stärke ist ihre Trägheit: in unruhigen Wassern sucht man sich das dickste Schiff. Der Postillon schrieb: Merkel so beliebt wegen ihrer hohen Beliebtheitswerte. Da ist was dran. Ihr Regierungsfazit ist schwer zu beurteilen, denn wie will man Erreichtes mit dem vergleichen, was hätte sein können? Sie hätte, sie müsste, sie sollte - da ist jeder Schluss legitim und falsch zugleich. Sinnlose Diskussionen. Vieles würde ich mir anders wünschen, doch die anderen Parteien hätten es meistens noch schlimmer gemacht, wie sie zumindest stolz verkünden. Wir könnten wahrscheinlich besser fahren, aber definitiv auch schlechter.
Fazit: die Frage ob nötig oder nicht stellt sich nicht. Derzeit einfach nicht wegzudenken.

Und jetzt habe ich die Wahl.

Freitag, September 01, 2017

Erinnerungen an ein Seminar

Es gibt letztlich nur einen einzigen Grund, an Christus zu glauben: man ist überzeugt, dass es wahr ist.
Die Zustimmung dazu bleibt meist aus, was beunruhigend ist. Nein!, heißt es erleuchtet. Glaube ist viel mehr, als ein Für-wahr-Halten. Glaube ist Beziehung! Glaube ist Befreiung! Glaube ist innere Heilung! Daran ist nichts falsch, außer dem Nein vorne dran; das allerdings ist sehr falsch. Daran ist nichts bedenklich, außer der Tatsache, dass es als Widerspruch angesehen wird – das allerdings ist höchst bedenklich!

Vor einigen Monaten wurde im Rahmen eines christlich-philosophischen Seminars die Frage aufgeworfen, warum man denn glaube. In den Antworten, die daraufhin gegeben wurden, schwang etwas mit, das schwer zu greifen war: eine subtile Ich-Bezogenheit in den Aussagen, als sei man selbst der Grund dafür, dass es richtig sei, zu glauben. Als sei es eine Frage der persönlichen Wahl, was wahr ist. Die Qualität einer Beziehung wurde daran festgemacht, dass sie MIR etwas brachte; auf eine kaum zu fassende Weise wurde von Gott gesprochen, ohne dass er anwesend war.
Ich machte daraufhin mit ungefähr folgender Wortmeldung einen provokanten Versuch: Es sei mir erst einmal gleich, was der Glaube mir bringe. Denn bevor ich die Folgen betrachte, wolle ich erst einmal wissen, ob das denn stimmt, was ich da glauben soll. Ich hätte kein Interesse an Heilung durch jemanden, den es nicht gebe, denn dann wäre sie nichts als eine Selbsttäuschung. Für Gebete zu einem Gegenüber, dass gar nicht da sei, sei ich mir zu schade; Selbstgespräche könne ich auch ohne derlei Spielchen führen. Zudem fände ich diese Haltung Gott gegenüber, wenn es ihn denn gebe, reichlich unverschämt: ihm zu sagen, es sei gleich, ob er nun da sei oder nicht, solange nur die rechten Folgen für mich dabei herauskämen, wenn ich so tue, als halte ich ihn für anwesend. Kurz, ein Glaube, der letztlich eine Selbsttäuschung darstelle und zudem Gott gegenüber sehr ungehobelt sei, sei uninteressant. Ich glaube, ich schloss: „Um mich selbst zu verarschen, brauche ich Gott nicht.“
Spontanes Grinsen bei einigen, betretenes Schweigen bei anderen. Ich habe mir mit dieser Wortmeldung keine neuen Freunde gemacht, außer Gott sei Dank den hervorragenden Seminarleiter. Man fand das sehr befremdlich, wo doch der Glaube etwas so wohltuendes sei. Und plötzlich stand mehr oder weniger klar im Raum: Glaube funktioniert für viele genauso gut auch ohne Gott, solange die Endorphine fließen.

Ich habe über diese Situation viel nachgedacht. Ich habe natürlich keinerlei Einblick in die Tiefe dieser Menschen. In ihrem Glauben kann eine große Liebe und Treue liegen. Es kann darin eine Standhaftigkeit vorhanden sein, von der ich nur träumen kann. Dennoch halte ich es für eine der wesentlichen Grundlagen unseres Glaubens, dass er auf Tatsachen beruht, nicht auf Suggestionen. Er ist kein Denksystem mit positiver Wirkung, dass so viel Hoffnung bringt, wie positives Denken – er ist die Wahrheit. Wir müssen uns nicht, bildlich gesprochen, Äpfel vorstellen, um uns satt zu fühlen, sondern wir haben einen Baum, der sie wirklich hervorbringt. Wenn wir beten, meinen wir nicht Wohlfühl-Meditationen für unser kurzes Hier-und-Jetzt. Wir reden mit dem, der uns das Ewige Leben schenken will. Und, für mich entscheidend: ein Glaube, der nur solange sinnvoll, ja existent ist, solange ich ihn hervorbringe, kann mich im Tod nicht tragen, denn er stirbt mit mir. Spätestens im Tod stellt sich plötzlich die Frage mit aller Vehemenz: Gibt es Dich, Gott, und wenn ja, hast Du Gutes mit mir vor? Für viele wird diese erste Frage, die eigentlich Grundlage allen Glaubens sein sollte, erst als letzte Frage interessant.

Wenn ich jetzt eines wünschen darf, Herr, dann: lass mich mit der ersten Frage nicht bis zum Schluss warten. Lass mich im Blick auf das Kreuz niemals zweifeln, dass Du mit Deiner Liebe mich meinst, und lass mich Dich niemals wie einen eigenen Gedanken behandeln. Ich behandele Dich ohnehin schon schlecht genug. Alles Leiden dieser Welt ist wie ein Tropfen gegen den Ozean von Freuden, den Du für uns bereithältst. Leeres Geschwätz für den, der seine Wahrheit selber machen muss. Doch was für eine Verheißung, wenn es stimmt, was wir glauben.

Dienstag, August 15, 2017

Gedanken

Ich sehe in der Gesellschaft eine grundsätzliche Schieflage, der die Christen bislang eher wenig entgegen setzen.
Derzeit stehen in allen Diskussionen der Mensch und sein Wert im Mittelpunkt. Dabei geht man von eigentlich christlichen Grundlagen aus, wie einer unantastbaren Würde, persönlicher Freiheit und dem Vorrang des Gewissens. Das alles kann ein Christ unterschreiben. Doch plötzlich treiben in der Gesellschaft diese guten Grundsätze Blüten, die nicht mehr zu verantworten sind, wie Euthanasie und Abtreibung. Diskutiert man mit deren Befürwortern, berufen die sich auf dieselben Grundsätze, die uns dergleichen eigentlich unmöglich machen sollten. Es entstehen massive Diskussionen, in denen einer dem anderen die logische Konsequenz abspricht und jeder seine Moral bestätigt sieht. Und die erfahrungsgemäß wenig bis gar nichts bringen.
Der Mensch ist so wertvoll, dass nichts ihm schaden darf, aber nicht aus sich selbst. Er ist wertvoll, weil er geliebt ist. Wäre er letzter Grund in sich selbst, wäre er der Herr über sich selbst, aber er müsste sich auch selbst definieren, und das kann er nicht. Seine Freiheit bedroht sich selbst, das Ungeborene schränkt die Mutter ein und das Leiden die Würde. Die Gesellschaft sucht nach Auswegen und richtet sich notgedrungen gegen die Freiheit selbst. Die Selbstdefinition ist wie ein Hund, der sich in den Schwanz beißt.
Als Geliebter Gottes hingegen ist der Mensch nicht letzter Herr, sondern bezieht seine Würde von außerhalb. Doch diese Würde gibt Halt, denn sie treibt nicht, sondern steht sicher.

An dieser Stelle bleiben die Christen der Welt etwas schuldig, nämlich die Erkenntnis, worum es eigentlich geht. Kein vernünftiger Mensch gibt die Herrschaft über sich selbst auf, ohne dafür etwas Besseres zu bekommen. Kein Mensch tauscht seine Freiheit gegen Enge ein. Doch anstatt zu bezeugen, dass wir Geliebte Gottes sind, die nichts mehr wünschen, als dass alle anderen es auch werden, argumentieren wir mit dem, was man erst als Geliebter überhaupt verstehen kann: Lehre und Regeln. Die vom Gesetz frei gekauft wurden, argumentieren, als sei der Katechismus die neue Gesetzessammlung. Wir sind zum Festmahl eingeladen, doch anstatt unseren Gastgeber auch anderen vorzustellen versuchen wir, ihnen vorab Tischsitten beizubringen. Wie kann es sein, das wir Eingeladenen vergessen, dass man sich gut benehmen WILL, sobald man diesen Gastgeber auch nur flüchtig kennt?
Ohne die Verkündigung Gottes haben wir der säkularen Gesellschaft nichts entgegenzusetzen. Ich sehe eine große Gefahr darin, dass sich viele Christen in endlosem Ringen um Richtig und Falsch verlieren, weil sie für die Frage „Geliebt oder ungeliebt?“ nicht mehr offen sind.
Ich befürchte, dass diesen ganzen Fragen letztlich zuerst an uns gestellt werden, nicht an die Gesellschaft, die so verloren scheint. Wie gemütlich haben wir es uns in einer „christlichen“ Gesellschaft gemacht, zwischen Wohlstand und geforderten Menschenrechten? Wie sehr verwechseln wir inzwischen unsere eigene Weltanschauung mit dem, der uns senden will? Wie sehr definieren wir „Sendung“ inzwischen selbst und machen uns zum Gesandten in letztlich eigener Sache?
Nicht die Suppe ist schuld, wenn sie nicht salzig ist, weil das Salz schal ist. Nicht die Suppe wird von Christus gewarnt, sondern das Salz. Vielleicht braucht nicht die Gesellschaft eine Reinigung, sondern wir.

Mittwoch, Juli 26, 2017

Wieder hoch geholt

Betrachtungen von Papst Franziskus

Auszüge aus bisher unveröffentlichten persönlichen Ansichten eines Oberhirten.



























Montag, Juli 24, 2017

Kirche am Abgrund?

Mt 16,18:
Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.

Phil 2,12:
Darum, liebe Brüder - ihr wart ja immer gehorsam, nicht nur in meiner Gegenwart, sondern noch viel mehr jetzt in meiner Abwesenheit -: müht euch mit Furcht und Zittern um euer Heil!

Was lernen wir: die Kirche wird nicht überwunden werden, doch mein eigenes Heil will mit Mühe errungen sein. Ich brauche immer ein gesundes Misstrauen mir selbst gegenüber, doch in der Kirche habe ich eine feste Burg. So steht es in der Schrift.
Und dann höre und lese ich Diskussionen über Diskussionen, in denen es um den rechten Glauben geht. Eigentlich ein gutes und wichtiges Thema! Was mich nur irritiert und inzwischen oft schweigen lässt: diese Diskussionen werden in einer Art geführt, als sei man seiner selbst und des eigenen Glaubens unerhört sicher, die Kirche aber befände sich in größter Gefahr.
Ich denke, auf dieser Basis kann das nichts Sinnvolles werden, auch wenn es noch so gläubig rüber kommt: das ist die falsche Baustelle. Dorthin sind wir nicht gerufen und dort werden wir niemanden überzeugen außer uns selbst. Das ist einfach vom Prinzip her unbiblisch und unkatholisch.

Mein Sohn fasste es mit den Worten zusammen: „Wenn die Kirche am Abgrund steht, steht sie dort sicher.“ Ich denke, er hat recht.

Dienstag, Juli 11, 2017

Weichgespült

Es ist eine Herausforderung, und zwar eine große: es gibt einen gigantischen Raum zu regeln. Einen, in dem man sich wahlweise süße Kätzchen und noch süßere Kätzchen-Karikaturen anschaut oder Vergewaltigungen und Enthauptungen. Wo Unterdrückte sich Hilfe zusprechen und Unterdrücker Attentate verabreden. Wo Arbeit durch Kommunikation effektiver wird und Teenies kommunikationssüchtig werden.
Die eine Hälfte will man behalten, die andere aber nicht, doch das ist schwer. Wo ist die Grenze? Wer entscheidet? Und was, wenn sich unter die Entscheider einer mischt, möglichst noch in gehobener Position, der auf seine Weise eher zu den Unterdrückern gehört? Wer verhindert das? Und wie?

Faktisch stehen wir in einem Dilemma: „die Würde des Menschen ist unantastbar“ (Art. 1 GG), folglich darf nicht alles öffentlich bleiben, aber „eine Zensur findet nicht statt“ (Art. 5 GG). Wir brauchen Zensur, die keine ist, Schutz, der nicht knechtet. Wir müssen in Grauzonen Schwarz-Weiß-Entscheidungen treffen: löschen oder nicht? Es ist eine gewaltige Herausforderung, der zu begegnen eine lange Zeit dauern könnte und wo sich jeder, der es angeht, die Hände schmutzig machen wird. (Nebenbei gesagt sollte man daher denen, die es riskieren, aktiv zu werden, erst einmal mit großem Respekt begegnen, anstatt ihnen alles Mögliche zu unterstellen, weil einem die gezogenen Grenzen nicht passen.)
Das Ganze ist von einer kaum zu überbietenden Dramatik, und es ist neu: eines der ganz wenigen Probleme, deren Ausgang man nicht im Geschichtsbuch studieren kann. Mutige, entschlossene Personen sind gefragt. Philosophie wird plötzlich konkret, Gott wird ernsthaft gesucht, weil man von ihm ein paar Antworten möchte, die dringend gebraucht werden.

Bekommen wir das hin? Der erste Bericht, der von dort an die Öffentlichkeit dringt, an dem entschieden wird, zeigt eines: die Presse, die sich selbst gern als Enthüller und Vorkämpfer für die Freiheit sieht, stellt sich der Herausforderung erst einmal nicht. Der Bericht stammt aus den Räumen, in denen die Zensur stattfinden muss, die nicht stattfinden darf, doch die Frage ist nicht: was genau wird gemacht, wie und auf welcher Grundlage? Die Frage ist ein süßliches „Wie arbeitet und lebt es sich denn da so?“
Mitarbeiter sind belastet von dem, das sie sehen müssen. Das liest und hört sich interessant an, damit kann man sich identifizieren. Nicht die Zensur ist das Thema, sondern die Arbeitsbedingungen der Zensierenden.
Konservativismus, wie er NICHT sein sollte: ich löse nicht die Probleme mithilfe des Bewährten, sondern ich reduziere die Probleme auf das gewohnte, handliche Format; ein in linken Kreisen ungemein beliebter Konservativismus. Nur was ich kenne, kann ich angehen: die Mitarbeiter, die dort löschen müssen, brauchen keine tiefgreifende philosophische Unterstützung – sie brauchen mehr Betriebsräte. Danke, Frau Kühnast, für diese Information!

Donnerstag, Juni 29, 2017

Keine Chance gegen die Ehe!

Der Umgang mit dem Begriff „Ehe“ trägt Züge von George Orwells Roman „1984“: Begriffe werden geändert mit dem Ziel, den dahinterstehenden Inhalt verblassen zu lassen, bis niemand ihn mehr kennt und er verschwindet.  (LINK)
Für uns Katholiken stellt sich so eine schwierige Frage: verteidigen wir unsere Ehe oder nicht? Und wenn ja, wie?

Grundsätzlich haben wir einen schweren Stand, egal, was wir tun. Verteidigen wir den Begriff, erscheinen wir als unflexibel und eng, als Menschen, die andere ausgrenzen. Da mit dem Begriff „Ehe“ Rechtsfolgen verbunden sind, setzen wir uns in den Augen der Öffentlichkeit ins Unrecht, indem wir scheinbar bestimmen wollen, wer alles nicht in den Genuss von Förderungen etc. kommen darf. Das sind schwere Vorwürfe.
Verteidigen wir den Begriff nicht, nehmen wir Folgen (auch handfeste Rechtsfolgen) in Kauf, die wir nicht gutheißen können.
Was tun?

Erst einmal sollte man, so denke ich, erkennen, dass hier zwei unterschiedliche logische Systeme um die Vorherschafft ringen.
Das System, das uns derzeit eine Diskussion aufzwingt, besagt: die Wahrheit lässt sich wandeln. Seine Streiter sagen: Indem ich die Sprache und ihre Bedeutung ändere, übernehme ich die Hoheit über die Inhalte, die dahinter stehen. Dieser Ansatz hat augenscheinlich einiges für sich: er funktioniert offenbar, denn er setzt Dinge in Bewegung, wenn auch nicht so, wie man es wünschen sollte. Die Aufweichung des Ehebegriffs richtet schweren Schaden an, oder, wie die Gegenseite es formulieren würde: setzt längst notwendige Änderungen in Gang. Und so gibt es heftige Diskussionen, ob es sich bei den ablaufenden Prozessen um Schäden oder Erfolge handelt. Wenn wir uns auf diese Diskussionen einlassen, haben wir, wie ich befürchte, bereits verloren. Die gegen uns erhobenen Vorwürfe sind innerhalb der Logik, in der sich alles abspielt, nicht zu widerlegen.
Unsere Stärke, die letztlich gewinnen wird, liegt nicht in der Diskussion. Sie liegt darin, dass das derzeit handelnde System in sich falsch ist und wir die richtige Logik kennen: die der Wahrheit. Weil sie ein Bund ist, den letztlich Gott schließt, ist die Ehe nicht nur schützenswert. Sie ist aus eben diesem Grunde auch unermesslich stark, denn sie ist schlicht wahr. Die Ehe ist, was sie ist, egal, wie man ihren Namen zu verunstalten sucht. Um im Bild des oben verlinkten Beitrags zu bleiben: der Würfel wird unter den Quadern immer auffallen. Daran kann keine Verdrehung etwas ändern – das ist so. Selbst wenn man bei Würfeln ungleiche Kantenlängen zulassen oder gar vorschreiben würde: allein dieses Gebot würde den wirklichen Würfel für alle sichtbar definieren. Schafft man das Wort ab, wird sich ein anderes bilden, weil der Würfel eben nicht mit dem Wort verschwunden ist. Man kann ihn nicht abschaffen.

Wir sitzen am längeren Hebel. Gott hat den Ehebund gestiftet. Dieser Bund ist so real wie eine geometrische Form: er gehört zur umfassenden Logik der Welt. Aus dieser Logik heraus muss die Argumentation erfolgen, denn sie bringt das andere System zum Einsturz. Solange wir über Begriffe streiten, unterliegen wir der Gesellschaft, die Begriffe kapern und den Inhalt prägen will. Zeigen wir aber, dass es die Ehe, wie Gott sie gegeben hat, gibt, funktioniert die ganze Begriffsdiskussion nicht mehr.
Man mag sich verloren vorkommen, angesichts der überschäumenden Diskussionen und Aufbrüche in die Irre, doch wir können ruhig sein: wir stehen auf dem festen Boden – die anderen nicht. Und wir haben, dem Katholizismus sei Dank, eine unermessliche Menge an Mitstreitern: alle Heiligen kennen die Wahrheit und sind höchst aktiv. Und so kann man, denke ich, die Antwort Gottes bereits erkennen: an vielen Stellen gibt es kleine Aufbrüche, Ehe und Familie zu stärken und sie den Menschen ins Bewusstsein zu rücken.

Fazit: Wir müssen nicht alles in Kauf nehmen. Ich denke, es ist wichtig, Stellung zu beziehen! Doch gleich, wie man es tut: auf die Logik der von Menschen geänderten Wahrheit sollte man sich nicht einlassen. Die wirkliche Wahrheit siegt am Ende, das ist sicher.